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Passend zum Produkt wird es in Kürze kleine Geschichten geben zum Schmunzeln, Lesen und Verschenken.
Arthur – Der kleine Drache aus dem Artland
Arthur wohnt in Badbergen, genauer gesagt im herrlich quirligen Laden von Christoph Freese. Das hat seine Gründe, könnte er doch auch einfach in einer Drachenhöhle wohnen. Aber bei Freese ist es so urgemütlich, in den Regalen gibt es jeden Tag neue Schätze zu entdecken – für einen Drachen seiner Größe also das reinste Paradies. Zu seinem Leidwesen ist Arthur nämlich so winzig, dass er sich mühelos hinter einer Kaffeetasse verstecken kann. Seine Mutter tröstet ihn zwar immer, dass er noch wachsen wird, schließlich ist er mit seinen 200 Jahren noch recht jung für einen Drachen, aber für Arthur scheint die Zeit bis zu seiner vollen Reife in weiter Ferne zu liegen.
Deswegen vertreibt er sich seine Zeit gerne in dem bunten Laden. Meistens wuselt er unsichtbar durch die Gänge und beobachtet amüsiert das Treiben. Doch Arthur ist nicht nur ein stiller Beobachter. Wenn auch klein, mit einem Feuerchen, das allemal eine Kerze anzünden könnte, besitzt er eine magische Stimme, mit der er Ideen direkt in die Köpfe der Menschen flüstern kann. Wenn ein Kunde plötzlich das perfekte Geschenk findet oder jemandem ein ganz neues Strickmuster einfällt, dann ist meistens Arthur im Spiel.
An einem ruhigen Sommernachmittag grübelt Arthur über sein Leben nach. Er will sein Ebenbild in Badbergen zeigen, nur wie? Leider kann er in der heutigen Zeit nicht wie sein Urahne Drudo einfach auftauchen, Jungfrauen verschonen und als Artlandbeschützer in die Geschichte eingehen. Nein, in Zeiten von Internet, Social Media und gefälschten Nachrichten, da muss er sich schon was Besseres einfallen lassen. Eine eigene Produktserie, ja, denkt er, das passt hervorragend!
Während Christoph im Aufenthaltsraum über Bestellformularen brütet, schleicht Arthur sich hinein. Genau in diesem Moment klingelt die Ladenglocke – Karin, eine alte Freundin und Ex-Kollegin, kommt auf einen Kaffee vorbei. Während die beiden schnacken, nutzt Arthur die Gunst der Stunde. Er flüsterte Christoph seine Idee ein: „Eine eigene Marke … der Artlanddrache … aber ganz anders als der alte Lindwurm!“ Christoph spricht es laut aus, und Karin ist sofort Feuer und Flamme. Arthur freut sich, als er feststellt, dass die kreative Ex-Kollegin so empfänglich ist.
Sie fährt nach Hause, greift zum Stift und zeichnet einen Arthur nach dem anderen. Heute kann sich Arthur hinter Tassen verstecken, die sein eigenes Ebenbild tragen. Selbst wenn er mal nicht schnell genug wegflitzt, bemerkt ihn niemand – alle denken, er gehöre einfach zur Dekoration. Seine Lieblingsserie ist der Bratapfel, weil er diesen auch so gerne mag.
Was hat er nicht schon alles gesehen im Artland. Der Ort, in dem er vor 200 Jahren aus dem Ei schlüpfte, war schon zu dem Zeitpunkt alt. Die erste urkundliche Erwähnung gab es im Jahr 1175. Damals hieß das noch Padberge, weil es ein Pfad mit vielen Schutzhütten war, bei dem Wanderer und Reisende Unterschlupf finden konnten. Einige Ortschaften sind sogar noch älter. Der Wehdel, in dem sein Urahne wohnte, entstand schon um 850. Sein Urahne, besser gesagt Drudos Urururgroßvater, war leider vor seiner Geburt im Alter von 2500 Jahren gestorben – ein stattliches Alter auch für einen Drachen. Der berüchtigte Lindwurm, der auf seine alten Tage im 16. Jahrhundert das Artland in Atem hielt, ist seine Lieblingsfigur in allen Erzählungen um seine Familie.
Seine Oma, die auch schon sehr alt ist, kann sich noch an den alten Drudo erinnern und erzählt ihrem Enkel gerne immer wieder die ganzen Geschichten. Drudo galt als launisch und seine Gelüste als schrecklich, doch Oma weiß es besser: Sie erklärt Arthur, dass er die Jungfrauen gar nicht gefressen hatte. Er entführte sie lediglich in seine Drachenhöhle, um sie als Haushälterinnen zu beschäftigen. Leider war der Schwefeldunst in der Höhle der Gesundheit dieser jungen Ladys nicht gerade zuträglich, und so hielten die armen Mädels meist nur ein paar Jahre durch. Aber in Wirklichkeit mochte er die Gesellschaft der jungen Mädchen, die ihm viel über das Dorfleben erzählen konnten.
Arthur möchte auch, dass seine Geschichten später erzählt werden. Vielleicht findet er ja auch noch eine Drachendame, wenn er alt genug ist, und dann kann er seinen Kindern die Geschichten erzählen, damit auch er niemals vergessen wird. Also überlegt er, wie er das anstellen soll. Dann hat er die zündende Idee: Er wird seine kleinen Abenteuer einfach aufschreiben und die Zettel zwischen der Wäsche für die Drachenstube verstecken oder, noch besser, anonym einfach Briefe an Christoph schreiben. Dann kann er sich mit seiner kreativen alten Freundin dranmachen und ein Buch über Arthurs Abenteuer schreiben.
„Arthurs Abenteuer“ – was für ein klangvoller Titel, denkt sich der kleine Drache und macht sich gleich ans Werk.
Text und Idee: Karin Niemöller